Israelische Comicszene…

Die Folgende Vorlesung behandelte den Messeschwerpunkt: Das 50- jährige deutsch-israelische, diplomatische Jubiläum. Zur Feier des Datums reisten rund 40 israelische Autoren nach Deutschland zu jeweils 74 Lesungen und präsentierten ihrem Publikum die unterschiedlichen Facetten der israelischen Literaturwelt. Da ich nun gerade die Themen: NS Zeit, Nahostkonflikt und die Rolle Deutschlands bzw. Israels über Jahre hinweg (gut, solange ist es auch wieder nicht) diskutiert und besprechen musste, interessierte mich der Vortrag erheblich mehr als der European Cosplay Wettbewerb. Projekt Horizont erweitern ging also in die zweite Runde… Die Hoffnung, dass es einen Übersetzer geben würde, bestätigte sich erfreulicherweise ebenso und den gut 60 Minuten Gesprächszeit mit Merav Salomon stand nichts mehr im Wege.

Mein Vorwissen über Merav Salomon hielt sich dennoch in Grenzen, hatte ich ihren Namen auf meinem Notizzettel in meinem Zimmer vergessen. Deshalb nun ein kleiner Nachtrag: Ihren jüdischen Großeltern war es gelungen vor den Nationalsozialisten zurück nach Israel zu fliehen. Sie selbst verbrachte viel Zeit bei ihren Großeltern in Tel Aviv und lauschte ihren Geschichten und Erlebnissen. Später zog sie in die USA, dort veröffentlichte sie besonders viele Comics/Bücher um dann nach einigen Jahren wieder zurück nach Israel zu ziehen. Nun mit einer kleinen Familie. Heute ist sie Professorinnen an der Basel Akademie in Jerusalems und ist für das Illustartionsdepartment zuständig. In den letzten Jahren wurden nun auch zwei ihrer bekanntesten Werke in Deutschland veröffentlicht, um die es an diesem Tag ging: Eine Familienreise nach Berlin und Frostbeulen.

Zu Beginn beschreibt Merav Salomon sehr schön, wie sehr die neuen Medien, Comic und Graphic Novel, den Künstlern oder der einfachen Bevölkerung helfen ihre Gedanken sich gegenseitig mit zu teilen und sich untereinander zu verstehen. Viele lesen die neuartigen Werke um sich Gewissheit zu verschaffen; neue revolutionäre, versteckte Gedanken zu entschlüsseln oder einfach nur um dem angespannten Alltag zu entfliehen.

Von da an ging es vor allem um ihre neuen Comics. Die Idee zu ihrem Buch eine Familienreise nach Berlin bekam sie tatsächlich nach ihrer persönlichen Reise nach Deutschland. Laut ihrer Erzählung war dies allerdings eher eine Art Zufall gewesen, denn aufgrund der deutschen Geschichte besaß sie gegen über der Nation eher ambivalente Gefühle. Doch die günstigen Flugpreise und die positiven Geschichten von ihren Großeltern bestätigten ihr Vorhaben und so fand sie für sich selbst heraus, dass sie vom neuen Deutschland positiv überrascht war. Kam ihr doch einiges sehr bekannt vor. Irgendwie gewohnt, familiär… Als sie nach Tel Aviv zurückkehrte war sie gleichermaßen verwirrt. Und so entstand der Comic…  Aus Eindrücken einer Urlaubsreise.

Was ich noch sehr interessant fand war, dass der Comic im deutschen eine andere Coverfarbe ziert. In Israel ist der Einband des Comics hellrot. (also entweder war ich farbenblind oder die Übersetzerin war es, denn das Hellrot war definitiv ein Orange) Doch hier wollte der Verlag das Hellrot nicht nehmen, Rot= Blut, Blut= Holocaustes und damit keine unbedingte Verkaufschlagerfarbe und so wurde hier aus dem Orange ein Taubenhellblau, welches in Israel niemals akzeptiert würde, da ein ähnliches Blau in der israelischen Flagge auftaucht. Dazu musste Meravs Comic bei der Übersetzung komplett verändert werden. Hebräisch besitzt nämlich nur zwei Grammatikalische Geschlechter, keine Fälle mehr und meines Wissens ist die Leserichtung dem Japanischen sehr ähnlich von Hinten nach Vorne und von rechts nach links. Der Verlag klärte sie über die deutsche Grammatik auf und sie wurde erneut überrascht. Aber erklärte sich dann doch einverstanden. Anschließend fand noch ein kurze Diskussion über die verschiedenen Holocaustfarben statt.Laut Publikum, welches zu 99% aus deutschsprachigen Menschen bestand waren die typischen Holocaustfarben: Gelb, Schwarz, Braun, Weiß und Rot. Warum weiß eine Holocaustfarbe sein soll, ist mir bis heut aber verborgen verblieben. Bitte um mögliche Aufklärung.

Nachdem die Farbensymbolik nun auch abgehakt war, erzählte Frau Salomon von ihren zweiten Werk. Ein Graphik Novel. Frostbeulen, in diesem Buch geht es im Besonderen um Meravs Großmutter, dessen Lebensgeschichte sie kaum kannte aber dafür ihre Geschichten die sie ihr immer erzählte. Und Meran fing an zu diesen Geschichten illustrieren. Der Verlag ermunterte sie dazu kleine Texte zu verfassen nach und nach wuchsen die Illustrationen und der Text zu einem einzigartigen Geflecht aus kleinen literarischen Häppchen zusammen. Dessen Inhalt nicht nur auf Mirav zu traf sondern auch auf viele andere Jeckes.

In diesem Buch stehen Sätze wie:

„Sitz gerade!“

„Lach mal!“

„Lach nicht!“

„Warum trägst du keine Kleider?“

„Warum machst du dir keine Zöpfe?“

„Sag danke…“

„Wie du immer aussiehst!“

oder

gelbe Butter, Beethovens 9, das gute Service, Mama und Papa, der große Fluss

Merav hat all das mit ihrem Stiften erdacht. Dabei versucht sie gelcih in ihren Stift zu denken… Meist mit einer Ahnung verbunden mit Gefühlen. An der Realität orienrt sie sich häufig, aber gibt sie nicht unbedingt genau wieder, dass sei ihrer Meinung nach viel zu langweilig. Kleine Kunstgriffe, die würden helfen. Schließlich muste sie für die deutsche Auflage noch einmal die gesammte Geschichte überarbeiten. Eine andere Technik, ihre ursprüngliche aus israel sei zu trist und eintönig gewesen.  Die neuen Grafiken wurden also aus lauter schillerenden und kräftigeren Farbschichten zusammen gestellt,und es verfehlte ihrer Wirkung nicht. Merav meinte, es sei zwar sehr anspruchsvoll gewesen hätte allerdings aber auch Spaß gemacht, aber so ganz verstehe sie das Gehabe um die Illustrationen nicht.

Worauf sie aber besonders stolz sei, wäre eine Kurzgeschichte die ihm rahmen eines projektes in troisdorf entstanden sei, bei dem sich deutsche und israelische Autoren getroffen haben. In der geschichte geht es um ein Mädchen mit sehr viel Haar (ein wenig erinnert die Protagonistin an das Paulinchen aus dem Struwelpeter, und laut Merav wurde sie daraus inspriert) nur ist das Mädchen ein wenig weltfremd und ihre zwei imaginären freunde der Tod und eine Spitzenathletin machen ihren Alltag nicht unbedingt leichter.

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