„Das Haus da hat geweint!“

46. “Mama! Das Haus da hat geweint!“- „Das war nur der Wind“ -Chihiros Reise ins Zauberland

„So da wären wir. Herzlich Willkommen in unserem neuen Zuhause“ Mein Vater stieg aus dem Auto aus. „Kommt Leute, auspacken ist angesagt“. Von der Rückbank war bloß Murren zu hören, wir waren ungefähr so begeistert davon gewesen um ziehen zu müssen, wie eine Katze von der Idee baden gehen zu müssen. Mein größerer Bruder lehnte sich über mich und schaute aus dem Fenster. „Das ist kein Haus, sondern ne Bruchbude“ Mit dem Satz sprach er aus, was uns zwei andren ebenfalls im Kopf herum schwirrte. Diese viktorianische Villa war nicht wirklich die Idealvorstellung für ein Eigenheim, von Teenagern aus der Großstadt. Neben mit wurde die Autotür aufgerissen „Jetzt beeilt euch dich mal, es wird schon dunkel. Ich will die Sachen vor Mitternacht im Haus haben“ Mein Vater grinste und wackelte auch schon in Richtung Haus, vor sich her schleppend er Opas alten Ohrensessel. „Ich hasse es“, meinte meine Schwester und fing eher widerwillig all unsere Habseligkeit einzusammeln. Sie selber nahm noch zwei Kartons, den Rest mussten wir tragen, die mein Bruder mehr schlecht als recht erfreut entgegen nahm. „Abmarsch“

Nach nur siebenmaligem Hin und  Herlaufens standen wir unheimlich müde unten im Atrium. Es war groß und besaß einen breiten Treppenaufgang, der sich nach vielen Stufen nach rechts und links um anschließend in die zwei verschiedenen Flügel zuführen, wenn man nun noch weiter ging an den riesigen Holztüren vorbei führten die beiden Treppen in einer Galerie oberhalb wieder zusammen. teilte und in die zwei Flügel führte. Weiter oben liefen diese dann wieder als Gallerie wieder zusammen. Über dem ersten Treppenabsatz hing eine riesige Weltkarte, die ungefähr aus dem 18 Jahrhundert stammen musste.

„Hässliches Bild“,kommentierte Jeremy und fing sich sofort einen bösen Blick von meinem Vater er in. „Ich weiß dass es für uns alle schwer ist, aber ich erwarte von euch, dass ihr euer neues Leben annehmt. Übrigens, hier ist euer Abendessen“. Mit diesen Worten reichte er uns jeweils ein Packen geschmierter Brote. Morgen fahren wir einkaufen und deshalb denke ich sollten wir jetzt alle schlafen gehen es ist schon spät“. „Es ist 23 Uhr!“, maulte meine Schwester und kniff die Lippen fest zusammen. Auch sie fing sich einen bösen Blick ein. Ich sagte nichts.

„Hier der Grundriss, ihr schlaft zuerst alle im Obergeschoß, im Raum neben der Bibliothek. Fenny, das wird später dein Zimmer werden und jetzt Abmarsch mit euch.“ „Gute Nacht“, erwiderten wir eher zerknirscht als fröhlich. Alle in einem Zimmer schlafen? Das konnte nicht gut gehen. Mein Bruder ergriff die Initiative und ging vor, wir folgten ihm zögerlicher. „Wetten hier drin spukst?“ Meine Schwester grinste, sie machte sich immer gerne über mich lustig. „Bin gespannt, vielleicht sehen wir heute ja ein paar Geister. Uhuhuuu.“ Dabei machte sie schaurige Bewegungen und verzog ihr Gesicht zu einer Grimasse. Ich ignorierte die Provokation, sollte sie doch denken was sie wollte. Ich wusste, dass noch andere Energiequellen auf der Erde wandelten. Sicher nicht so deutlich wie sie immer in Filmen dargestellt wurden, aber doch spür und erkennbar.

Mittlerweile waren wir an unserem Ziel angekommen und standen nun vor einer großen Türe angelangt. Sie war aus altem Teakholz und von Spinnweben überzogen. Meine Schwester zog hörbar die Luft ein. Sie hasste Spinnen. Mein Bruder schnaubte, „Na dann. Trautes Heim Glück allein“ Und schloss die Tür auf, der Schlüssel klemmte ein wenig.

Neugierig lehnten wir uns alle vor. Jeder wollte den besten Blick erhaschen. „Wenn das Zimmer mir nicht passt, übernachte ich woanders“, meinte meine Schwester.

Vorhin hatte mein Bruder noch damit geprallt, dass er noch hier alleine herumlaufend wollte, aber ob er sein Wort hielt? Alleine im dunklen in einer alten Villa?

Ich betrat den Raum. Er war mittelgroß, möbliert mit einem Schrank, zwei schmalen Regalen, noch einem Doppelbett mit Matratzen. „Ich schlaf im Doppelbett“, rief meine Schwester und schmiss sich sofort auf die linke Seit“. „Dann schlaf du rechts Fenny, wenn ihr für die Matratze zu sensibel seit“, dabei rollte mein Bruder mit den Augen. Dann warf er sich ebenfalls auf seine Matratze und packte sein Essen aus. „Ich hoffe ich habe ein hübscheres Zimmer als du“, sagte meine Schwester mit vollem Mund. Erst bei dem Anblick der Brote merkte ich wie laut mein Magen knurrte. Vorsichtig kletterte ich auf die rechte Hälfte des Bettes, dabei fing der Kasten gefährlich an zu wackeln. „Pass doch auf“,fauchte meine Schwester von unten links. „Wenn du so weiter machst bricht das Ding zusammen!“ „Guten Appetit“, nuschelte mein Bruder.

„Wo iss’n eigentlich das Bad?“ fragte meine Schwester. Mein Bruder deutete auf eine Tür die neben dem Schrank eingelassen war. „Ich denke da“. Mein Schwester verschwand sofort mit ihrer großen Reisetasche dort hinein. Mein Bruder guckte genervt: „Sie hätte als letzte gehen sollen, jetzt dauert dass mindestens ne Stunde“. Er stand auf und legte die Proviantpakete auf den Tisch am Fenster. „Schau mal du hast Ausblick auf den See“ Ich hob den Kopf. Ausblick auf einen See klang gut. Schnell kletterte ich hinunter und lief zu dem großen Rundbogenfenster. Tatsächlich konnte man, wenn man ganz fest die Augen zusammen kniff, die Lichtreflexe des Mondes auf der nahezu spiegelglatten Oberfläche über Wasser tanzen sehen. „Sieht schön aus“ murmelte ich fasziniert, dass war der erste Satz den ich heute gesagt hatte.

„So ihr dürft ins Bad!“ Meine Schwester warf ihre Taschen in eine Ecke und danach sich selbst ins Bett. „Gute Nacht“. Dann drehte sie sich zur Wand weg. „Ging aber schnell…“, kommentierte Jeremy und verschwand darauf im Bad. Kurz darauf lagen wir alle in unseren Betten und fast eingeschlafen, als wir jemanden weinen hörten. Ich lauschte, hört ihr das auch?“, fragte ich. „Hmch“ Lukas dreht es ich zu mir. „Was’n?“, kam es von links. „Das Weinen…“ Meine Schwester setzte sich auf. „DaD weint nie“ Lukas horchte. „Das ist auch nicht Dad…“, „Es hört sich an wie…“ …nichts menschliches“, vollendete ich den Satz.

 

„Das ist unmöglich“ rief meine Schwester stand auf. „Da spielt uns jemand einen Streich. „Wer sieht mit nach?“ Unterdessen war das Weinen so laut geworden, dass es fast Zimmerlautstärke erreicht hatte. „Es kommt vom Flur.“ Vorsichtig öffnete Mein Bruder die Tür. „Dann legte er wortlos die Finger auf die Lippen und drehte sich wieder um und trat auf den Flur. Per Handzeichen bedeutete er uns zur warten. Er ging ein par Schritte, dann winkte er wieder mit der Hand. Meine Schwester stürmte sofort auf den Flur und sah sich um. Ich dagegen war nicht so unvorsichtig wie er, bedächtig schlich ich die wenigen Schritte zu meinem Geschwistern. Wer wusste schon ob es nicht doch spukte? „Hier ist Niemand“ flüsterte mein Bruder. „Das Weinemd kommt ja auch aus der Bibliothek du Holzkopf“,zischte meine Schwester. Forsch griff sie nach dem runden Türknauf, der die Türe zur Lesestube öffnen sollte. „Lieber nicht, dass gibt nur Ärger“, hauchte ich leise, ich ahnte Schreckliches. Warum konnten wir nicht wieder ins Zimmer gehen, warum hatte ich sie überhaupt gewarnt?“. In diesem Zimmer konnte sonst was sein. Es war auf jeden Fall nichts menschliches, aber wenn nicht menschlich was dann? Lukas grinste bloß „Na Schiss? Komm schon, wir können ja nur durch einen Spalt schauen“ Lilia umschloss mittlerweile den Türgriff und fing gerade am Griff zu drehen, als sie uhrplötzlich von selbst auf schlug. Sie knallte mit einem lauten Krachen an die Holzwand, so dass sie fast zerbarst. Ich kniff die Augen zusammen, das Weinen war noch lauter geworden, fast ein Kreischen, das uns durch Mark und Bein ging. Unsere Haare standen zu Berge, wir alle zitterten. Mein Bruder fing an auf zu jaulen vor Schmerz. Das war mittlerweile unerträglich geworden, so laut, so schrill. Ich sackte auf die Knie „Aufhören brüllte!“, meine Schwester und versuchte die Tür wieder zu zumachen, doch das war nur mit den Ellenbogen gar nicht so leicht. Letztendlich musste sie eine Hand von ihren Ohr wegnehmen, aber das würde bedeuten sie würde ertauben. „Hilf mir Lukas“ , brüllte sie über das Geschrei hinweg. Ich hatte keine Ahnung wie lange wir noch in der Bibliothekstür standen und wie sehr wir zitterten, aber irgendwie schafften es meine Geschwister die Tür zuzuknallen und zu verriegeln. Das Gekreische wurde umgehend leiser dann erstarb es schließlich ganz. „W-Was war das?“ ,stotterte ich. Keine Antwort. Wir alle genossen die Stille eingekehrte Stille, die herrliche Stille ohne irgendwelche Schmerzen. „Es ist vorbei“ ,keuchte mein Bruder sein Haar klebte verschwitzt an seinen Kopf, er sah aus als wäre er in einen Bottich mit Magnesium gefallen so blass war er. Ebenso wie meine Schwester ihr stand der Schrecken mit der Angst noch ins Gesicht geschrieben. Ihr Augen waren vor  Panik noch Teller groß und sie schien nur langsam zu realisieren was gerade geschehen war.

Vorsichtig ließ ich meine Hände sinken. „Ich habe nichts gesehen und ihr?“, fragte ich mit bebender Stimme. Ich setzte mich hin meine beiBeine so weich wie Wackelpudding. „Witzbold, du hattest auch die Augen zu“, spottete Lukas, „Aber du hast trotzdem Recht, da war nichts nur ein Raum voller Bücher.“ „Ich hatte noch nicht einmal das Gefühl irgendeiner Energiequelle oder sowas“ Mein Schwester stöhnte „Ich will ins Bett! Wer kommt mit?“ Lukas und ich nickten synchron. Vielleicht würden wir schnell einschlafen und morgen das gerade Erlebte als Albtraum vergessen. Die Vorstellung war zu verlockend, als dass ich sie mir entgehen lassen konnte. „Sag mal wer hat von euch beiden das Fenster aufgemacht?“, fragte meine Schwester, die breitbeinig und ein wenig fröstelnd mitten im Zimmer stand. „Es ist arschkalt hier drinnen“ „Ich nicht, du Fenny?“, fragte Lukas. Ich schüttelte erschöpft den Kopf. Ich konnte mich nicht dran erinnern. „Das alles ist gerade scheiße unheimlich“, wisperte Lukas. „Lass es uns einfach wieder zumachen“ meckerte mein Schwester müde. „Wir können Morgen mit Dad darüber reden. Ich will nur noch ins Bett.“ Dann fiel sie, aufs Bett und zog schnell die Decke über ihren Kopf. So hilflos hatte ich sie noch nie gesehen. Sie war sonst immer die stärkste, chaotischste und auch die hitzköpfigste unter uns. „Mach einfach das Ding zu“ maulte auch jetzt mein älterer Bruder.

Was sollte ich auch tun? Es war bereits bitterkalt und es war doch nur ein banales Fenster. Ich schaute auf die gegenüberliegende Wand, nur ein bloßes Fenster.

Ich griff nach dem Rahmen und späte heraus. Es dämmerte bereits wieder ein Zeichen des untrügliches Hochwinters, hier nahe am Mittsommerkreis.

In der Dämmerung sah die Landschaft viel freundlicher aus, eine sehr eigenartige Umgebung. Gerade als ich den Kopf wieder ins Zimmer zurück ziehen wollte erblickte ich am Waldrand ein kleines Kind mit seiner Mutter. Das kleine Mädchen schluchzte entsetzlich „Mama. Das Haus da hat geweint!“ Die Mutter schmunzelte und nahm das Kleine auf den Arm und Strich ihr den Pony aus der Stirn „Das war nur der Wind“. Ich blinzelte. War das ein Traum oder eine Halluzination? Vielleicht hatte ich zu wenig getrunken. Als ich die Augen wieder öffnete um mich noch einmal zu vergewissern,waren die beiden verschwunden…

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